Aramäer / Assyrer / Chaldäer – Syrer, ihr Namensstreit und ihr Identitätsdiskurs in Geschichte und Gegenwart

Beschreibung

Das Teilprojekt besteht aus zwei Projektbereichen: einer linguistischen Erforschung der Gegenwart der Aramäer in der Diaspora und einer historischen Untersuchung. Analysiert werden die lange Geschichte der und die Kontroversen um die Fremd- und Eigenbezeichnungen der Syrer bzw. syrischen Christen (Aramäer / Assyrer / Chaldäer). Seit den Anfängen der Kirchengeschichte gehört dieser Streit zu den kontinuierlichen Aspekten des Identitätsdiskurses der Syrer. In der Gegenwart hat er durch die Erfahrung von Vertreibung und Diaspora sowie die Angst vor dem Verlust der sprachlichen und kulturellen Identität eine besondere Dringlichkeit erhalten.

Die zwei aufeinander bezogenen Projektbereichen sind, einmal der Untersuchung der Gruppierung der Syrer in Deutschland, deren Mitglieder sich selbst als „Aramäer“ bezeichnen (vor allem aus dem Tur Abdin stammend). Sie sind die in Deutschland zahlenmäßig stärkste syrische Gruppe (100000; Chaldäer und Assyrer je 10000) und mit Gemeinden in Wiesbaden, Gießen, Bad Vilbel, Rodgau und Bebra auch in Hessen vertreten. Zu diesen Gemeinden besteht von Seiten der Forschungsstelle für Aramäische Studien intensiver Kontakt. Untersucht werden Reflexionen der Aramäer über ihre eigene Identität sowohl auf Deutsch als auch in ihrer aramäischen Herkunftssprache. Neben Interviews mit den Angehörigen dieser Gruppe (vgl. Teilprojekt C 1.1) sollen schriftliche Dokumente unterschiedlicher Teilnehmer des Identitätsdiskurses (Kleriker, Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen, Intellektuelle etc.) analysiert werden, die sich an der historischen und linguistischen Diskussion beteiligen. Dem steht auf der anderen Seite die historische Analyse der Selbst- und Fremdbezeichnungen seit der Christianisierung und besonders unter islamischer Herrschaft bis zur Neuzeit gegenüber. Sie soll deren unterschiedliche Stränge anhand der Geschichte der Fremd- und Eigen-bezeichnungen untersuchen. Zugrunde liegen syrische Quellen, insbesondere Geschichtswerke und theologische Polemik, sowie historische und polemische Quellen in griechischer, arabischer und persischer Sprache.

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