Berbersprecher im Rhein-Main Gebiet

Berbersprecher im Rhein-Main Gebiet: Migration, Minoritätsstatus und Maskulinität

Beschreibung

Das Teilprojekt untersucht kommunikative Praktiken junger berbersprachiger Männer aus Nordafrika. Sie müssen sich nach Ankunft in Deutschland in einem zunächst ungewohnten Sprachumfeld zurechtfinden. Als Berbersprecher, in der Eigenbezeichnung Amazigh (Plural: Imazighen), gehören sie schon in ihrer Heimat einer Minorität an und sind mehrsprachig. Typischerweise beherrschen sie mehrere Berber- und Arabischvarietäten, zusätzlich oft Französisch, manchmal Spanisch und Englisch.

Das Teilprojekt geht der Frage nach, inwiefern Minderheitenstatus und Mehrsprachigkeit von Vorteil sind, wenn neue sprachliche Umgebungen zu meistern sindOder bringt der Minderheitenstatus Nachteile mit sich, die auch im Migrationskontext weiterwirken? Wichtig ist hierbei, dass ein großer Teil des Spracherwerbs spontan, also nicht-angeleitet ist. Die Mechanismen die, dabei zur Anwendung kommen, sind bisher praktisch nicht systematisch untersucht worden.

Kriterien, die als relevant für den Zweitsprachenerwerb gelten, umfassen oft Alter, Geschlecht, Vorbildung oder Aufenthaltsdauer im Zielland. Beobachtungen zeigen aber, dass diese Kriterien nicht zwangsläufig gute Prädikatoren sind für Erfolg oder Misserfolg beim Fremdsprachenerwerb. Eine der Methoden, die wir zur Anwendung bringen, ist der Erhebung sehr hochauflösender Sprachporträts. Durch sie werden offene, ethnographische Interviews initiiert und Sprachauffassungen der Probanden ermittelt.

Die Hypothese auf unserer Seite lautet, dass die zu beobachtenden Spracherwerbsmechanismen sprach- bzw. kulturspezifisch sind. Somit wären bei unterschiedlichen Gruppen zu lernen, welche spezifischen Praktiken des spontanen Zweitsprachenerwerbs sich als besonders erfolgreich herausstellen. Sie könnten ggf. in sehr praktischer Weise für eine angemessenere Unterstützung bei der sprachlichen Integration von hier ankommenden Personen genutzt werden.

Veröffentlichungen und Konferenzbeiträge

  • (2021) Fanego Palat, A. Mimesis and the Acquisition of Gay Voice Timbre. Journal of Postcolonial Linguistics 4: 59-82.
  • (2021) Fanego Palat, A. & Nassenstein N., Linguistic road works ahead: a commentary on language, integration and unfulfilled obligations. The Mouth Critical Studies on Language, Culture and Society 8: 202-216 (Special Issue „Migration, Language, Integration“, edited by Klaudia Dombrowsky-Hahn and Sabine Littig).
  • (2021) Dombrowsky-Hahn, K., Fanego Palat, A., Littig, S., & Nassenstein, N. Jenseits des Referenzrahmens: Erfahrungen afrikanischer Migrant*innen mit sprachlicher Integration im Rhein-Main-Gebiet. Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 98: 157-187. (Special Issue „Afrikanische Sprachen in Europa“, edited by Jürgen Erfurt and Peter Reimer)
  • Boutemin, Hamza and Axel Fleisch. Language trajectories of Berber-speaking male migrants in Frankfurt. Conference paper accepted for presentation at the 24th Afrikanistentag, Frankfurt am Main (May 14th-16th, 2020).
  • (2018) Fleisch, A., Colonial legacies and linguistic repertoires in European Amazigh. In: In the Footsteps of Spanish Colonialism in Morocco and Equatorial Guinea. The Handling of Cultural Diversity and the Socio-Political Influence of Transnational Migration, edited by Yolanda Aixelà Cabré, Wien / Zürich: Lit Verlag, pp. 185-207. (Tanslation into English of Fleisch 2015).
  • (2015) Fleisch, A., Legados coloniales y repertorios lingüísticos en el amazigh europeo. In Tras las Huellas del Colonialismo Español en Marruecos y Guinea Ecuatorial, edited by Y. Aixelà Cabré, Consejo Superior de Investigaciones Científicas, Madrid, pp. 169-193.

Zur Erfahrung von Minderheitenstatus in den sprachbiographischen Interviews nordafrikanischer Männer.

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