Sprache unter Arabern und Aramäern

Dynamiken von Sprache, Religion und Identität in arabischen, aramäischen und hebräischen Texten des frühen islamischen Nahen Ostens (8.–11. Jhdt. christlicher Zeitrechnung)

Beschreibung

Ethnische, kulturelle, religiöse und sprachliche Faktoren unter anderen wirken bei der Identitätsbildung im Nahen Osten zusammen. Die konkrete Bedeutung von Begriffen, die ethnische und/oder linguistische Gruppenzugehörigkeiten bezeichnen, wie etwa „Araber“, „Aramäer“ und „(As)Syrer“ bzw. „arabisch“, „aramäisch“, und „(as)syrisch“, ist vor diesem Hintergrund schwer zu fassen.

Was damit gemeint ist, ist nicht nur durch die Vita der Autor*innen, ihre geographische Herkunft bzw. gegenwärtige Verortung, ihre ethnische und religiöse Zugehörigkeit oder die verwendete Sprache konditioniert, sondern auch von weiteren Variablen abhängig wie etwa dem Gender, dem soziokulturellen Hintergrund, der Identität der (angenommen) Zielgruppen, der gegenwärtigen politischen Situation und Ähnlichem. Ferner sind Identitäten nicht statisch, sondern dynamisch. Neben der synchronen Dynamik existiert auch eine diachrone Dynamik, die u.a. befeuert wird durch die Kontext von Geschichte, größeren religiös, ethnischer oder nationalen Narrativen oder Migration.

Das Projekt „Dynamiken von Sprache, Religion und Identität in arabischen, aramäischen und hebräischen Texten des frühen islamischen Nahen Ostens (8.–11. Jhdt. christlicher Zeitrechnung)“ untersucht Ausdrücke, die mit kollektiven Vorstellungen, die sich auf Mitgliedschaft in ethnischen, linguistischen und/oder religiösen Gruppen beziehen, korrelieren. Es fokussiert auf sprachliche Mechanismen der Konstruktion von Identität und Alterität in ausgewählten Texten der formativen Periode des Islams bis zum 11. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung. Dieser Zeitraum bringt die Spätantike im größeren östlichen Mittelmeerraum zum Abschluss, die in wesentlich umgeformten und verfestigten kulturellen, ethnischen, sprachlichen und religiösen Konstellationen aufgrund der Entstehung des Islams mündet.

Angesichts des zeitlichen und geographischen Rahmens wie auch des Reichtums an Texten trachtet das Projekt danach, die Mechanismen und Dynamiken, die bei der Konstruktion von Identität und Alterität zum Tragen kommen, zu exemplifizieren und verfolgt dabei eine dreigleisige Herangehensweise: (1) Es geht der Entwicklung der Vorstellung der „arabischen Sprache“ (ʿarabī oder ʿarabiyya) als nationaler Sprache parallel zur Herausbildungen der „Araber“ als selbstbewusste ethnische und/oder nationale Identität in der späten omaijadischen und frühen abbasidischen Zeit nach; (2) es untersucht die Vorstellungen, die der Bezeichnung von Ausdrücken als syrische und/oder nabatäische Fremdwörter in der frühen islamischen exegetischen Literatur zugrunde liegen; (3) es erforscht den Gebrauch und die Funktion von verba dicendi und islamisch gefärbten Ausdrücken in Saadia Gaons judäoarabischer Übersetzung des Pentateuchs als Mittel der Markierung und Verteidigung jüdischer Identität.

Das Projekt fokussiert nicht nur auf die Grundformen von Selbst- und Fremdwahrnehmung, sondern auch auf situationsbezogene Faktoren und Dynamiken, die den Sinn der Zugehörigkeit bzw. die Zuschreibung zu einer gegebenen Gruppe wie in den genutzten Quellen attestiert beeinflussen können wie auch auf die Nutzung entsprechender sprachlicher Mittel. Es strebt danach, die verschiedenen, in den ausgewählten Texten aufgefundenen ethnischen und sprachlichen Variablen zu identifizieren und zu beschreiben, aber auch weitere beitragende historische, religiöse und soziokulturelle Faktoren.

Die Erfassung und Hierarchisierung der verschiedenen, attestierend Faktoren und Dynamiken, die bei der Herausbildung ethnischer, sprachlicher und religiöser Identitäten in arabischen, aramäischen und hebräischen Texten zum Tragen kommen leistet einen Beitrag zu unserem Verständnis interpersoneller Kontakte zwischen Menschen verschiedener ethnischer, sprachlicher und religiöser Zugehörigkeiten im frühislamischen Nahen Osten.

Publikationen und Vorträge

  • (2021) Birnstiel, D., “Aʿribū l-Qurʾān – An Analysis of a Hadith Bundle Concerning the Proper Recitation of the Qur‘an”. In: Ayşe Başol, Daniel Birnstiel und Miriam Djahani (Hrsg.), Muḥammad’s Ḥiǧāz in Focus. Philological Contributions. Berlin: EB-Verlag.
  • “Classical Arabic”. In: John Huehnergard and Na’ama Pat-El (Eds.), The Semitic Languages (2. Ausgabe). Routledge Language Family Series. New York: Routledge 2019, 367-402.
  • “ʾAʿribū l-qurʾān! – Reading the rasm according to relevant ḥadīṯ materials”. Paper presented at the conference “Reading the Rasm II”, Berlin-Brandenburg Academy of Sciences, December 3-5 2019.
  • “Divine Speech in Saadia Gaon’s Arabic Bible Translation – A Bridge Between Two Cultures?”. Paper presented at the symposium “Divine Logos and Transmission: Translating and Interpreting Foreign Revelations”, Frankfurt University, July 1-3 2019.
  • Re-engaging Comparative Arabic and Semitic Studies (Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, 115). Edited by Daniel Birnstiel and Na’ama Pat-El. Wiesbaden: Harrassowitz, 2018.
  •  “Neither Clear nor Clarifying – Yet Clearly Arabic”. In: Daniel Birnstiel and Na’ama Pat-El (Eds.), Re-engaging Comparative Semitic and Arabic Studies. Wiesbaden: Harrassowitz 2018, 45-104.
  • “הֶחָכָם, but הַחָכְמָה: Some Notes on the Vocalisation of the Definite Article in Tiberian Hebrew”. In: Nadia Vidro et al. (Hrsg.), Studies in Semitic Linguistics and Manuscripts: A Liber Discipulorum in Honour of Professor Geoffrey Khan. Studia Semitica Upsaliensia. Uppsala: Acta Universitatis Upsaliensis 2018, 111-131.
  • “The syllable structure of the Quranic Consonantal Text – some thoughts”. Paper presented at the conference “Reading the Rasm – Quranic Text, Reading Traditions and The ʿArabiyya”, Leiden University, December 7-8 2018.
  • “Losst it is, my precious, lost, lost!”. Paper presented at the conference „Vergessen, verschwiegen, verdrängt: Nicht repräsentierte Stimmen, Konzepte und Texte des Islams“,Frankfurt University, May 7-9 2018.
  • “Vowel lengthening and syllable structure in Qurʾanic reading traditions”. . Paper presented at the conference “Semitic vocalization and reading traditions”, Cambridge University, May 4 2018.
  • “Information structure, topic and focus in Kurdistan Arabic – some remarks”. Paper presented at the conference “Contact linguistics in cross-border Kurdistan”, Frankfurt University, December 2-3 2017.
  • “Problems and Challenges of Verb Stem Derivation in Qur’anic Arabic”. Paper presented at the 45th North Atlantic Conference for Afro-Asiatic Linguistics, Leiden University, June 9-11- 2017.
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