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Minderheiten zwischen Inselbildung und Vernetzung

Kurz gefasst:
  • Fokus auf die urbane Manifestation von sprachlich, religiös und/oder ethnisch determinierten Identitäten in Hessen im Kontext der ‚neuen‘ Minderheiten
  • Zentraler Begriff ‚Ethnische Kolonie‘ (Heckmann 1992:98)

Beschreibung

Migranten versuchen, sich in der Diaspora zu gruppieren und zu reorganisieren, was entweder zu lokaler „Inselbildung“ oder zu einer medialen oder anders gearteten Vernetzung führen kann. Inselbildung ist bereits seit den ersten Gastarbeiterwellen inner- und außerhalb Deutschlands beobachtbar. Unter den Bedingungen der jüngeren Flüchtlingswellen kommt eine zusätzliche Dimension hinzu: der Versuch, sich in bestehende Inseln bzw. Netzwerke einzugliedern. Die „neuen“ Minderheitengruppen suchen diejenigen „alten“ Gruppen, mit denen sie sich am stärksten identifizieren, wobei die Selbstsicht durch identitätsstiftende Faktoren wie Sprache, Religion, Ethnizität und das Kulturgedächtnis bestimmt wird. Daraus ergeben sich die folgenden Forschungsfragen:

Welche Kriterien sind bei der Eingliederung von „neuen“ Minderheitengruppen entscheidend? Wie beschließt eine „neue“ Minderheit, welche „alte“ Minderheit für sie die Zielgruppe ist? Welche Rolle spielen dabei gemeinsame Sprache, gemeinsame Religion, gemeinsames kulturelles Gedächtnis oder gemeinsames Herkunftsland?
Die Betrachtung der gegenwärtigen Situation in Offenbach am Beispiel eines Häuserblockes im Bezirk Mathildenschule zwingt zu einer Revision des etablierten Bildes von Inselbildung der Minderheiten: die aktuelle Konstellation lässt sich nicht mehr als einfache Zusammensetzung aus „deutscher Mehrheit“ und „nicht-deutscher Minderheit“ beschreiben. Das gegenwärtige Bild ist vielmehr durch Mehrschichtigkeit und Polydimensionalität geprägt:

INSELBILDUNG: (1) Prozess der lokal-geographisch determinierten Selbstorganisation auf der Ebene der Kommune; (2) Hohe räumliche Dichte der minderheitlichen Sprachverwendung im mehrheitlichen Umfeld

VERNETZUNG: Prozess der Selbstorganisation ohne lokale Fixierung auf der regionalen oder überregionalen Ebene. Zwei Ebenen der Vernetzung: regional / überregional.

Ziel

Das Teilprojekt dokumentiert und analysiert Prozesse der Bildung von Inseln und Vernetzungen von Minderheiten im Hinblick auf die identitätsbedingenden Rollen von Sprache und kulturell bedingter Ethnizität. Es soll untersucht werden, inwieweit die verschiedenen Faktoren miteinander konkurrieren und welche von ihnen unter welchen Bedingungen die Priorität erlangen, insbesondere im Verhältnis zwischen Sprache und anderen Faktoren. Im Rahmen des Teilprojekts hat die Entwicklung eines methodischen Apparats zur Erforschung der Inselbildung und Vernetzung der „neuen“ Minderheiten eine zentrale Bedeutung. Der Forschungsschwerpunkt wird auf die Insel- bzw. Netzwerk-bildende Funktion der Sprache gelegt.

Herausforderungen

  • Methoden der urbanen Feldforschung
  • Kartographieren von sprachlichen, ethnischen, religiösen Diversitäten in der urbanen Umgebung
  • Dokumentation und Visualisierung des Ineinandergreifens mehrerer identitätsbedingenden Faktoren

Veröffentlichungen

  • (2020): Pourtskhvanidze, Z., A Georgian Language Island in Iran: The Fereydani Georgian. In: Iranian Studies, vol. 53 (03-04), 2020.
  • (2018): Pourtskhvanidze, Z., Fereydanisches Paradox. Reisebericht von einer Sprachinsel. Edition SOLAR-X; Auflage: 1. 70 S.
  • (2018): Pourtskhvanidze, Z., at al., “Interactive Visualization of Dialectal Lexis Perspective of Research Using the Example of Georgian Electronic Dialect Atlas.” In: Čibej, J., Gorjanc, V., Kosem, I., Krek, S., (Ed) Lexicography in Global Contexts. Ljubljana, 2018. 931-941.
  • (2016): Pourtskhvanidze, Z., „Die Ökologie der Evolution der Kaukasischen Sprachen.“ In: Kaukasiologie heute. N. Reineck und U. Rieger (Herausgeber). König, Buchverlag. P. 486.
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